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Noch bevor "Linda" der Grund für den Durchbruch der Band in Deutschland war, haben mein Schulkollege Thorsten und ich die ACE CATS in einem verhältnismäßig kleinen Rahmen in der Sporthalle des Herner Gysenberg Parks erleben dürfen.
Es war ein normaler Schultag im Januar '84 als mich mein Kumpel ansprach und sagte: "Die ACE CATS kommen in die Sporthalle Gysenberg. Wollen wir da nicht hingehen?" Thorsten wohnte damals in einem Stadtteil von Herne, der in der Nähe des Gysenberg Parks lag. Er hatte aus der Zeitung erfahren, dass die Rockabilly-Band aus Dortmund in die kleine Sporthalle des Naherholungsparks kommen sollte. Mit ihrer Single "Heut Nacht" hatte die Band, die als Alley Cats gegründet wurde und um einen Rechtsstreit mit einer Amerikanischen Punkband zu vermeiden in ACE CATS umbenannt wurde, einen kleinen Radiohit, der im Ruhrgebiet natürlich bekannter war, als vielleicht anderenorts. Das Konzert sollte an einem Freitagabend in der kleineren Sporthalle, die neben der großen Gysenberghalle liegt, stattfinden. Sofort war klar, dass wir uns dieses Ereignis nicht entgehen lassen konnten.
Gegen 19:00 Uhr trafen die ersten Besucher ein. Es war eine regelrechte Zeitreise, denn nicht nur die Band sollte mit Tolle und Petticoats in der Sporthalle auftauchen, sondern auch ihre Konzertbesucher! Einige, die mit dem PKW angereist waren, hatten sogar richtig alte Autos. Ich erinnere mich da an einen Opel-Kapitän und einen Borgward, die beide damals schon Oldtimer und sehr selten waren. Kurz vor dem Einlass um 19:30 Uhr war vor der Sporthalle jetzt richtig was los. Ohne Ende "Teds" (Teddy Boys) und Mädels in Petticoats standen um uns herum. Ein krasser Anblick, befanden wir uns doch zeitlich inmitten der New Wave und New Romantic-Zeit, in der Jungs eher androgyn und die Mädels eher mit toupierten Haaren und Neon-Accessoires ausgestattet herumliefen. Pünktlich um 20:00 Uhr und ohne Vorband betraten die ACE CATS die kleine Bühne in der Sporthalle des Gysenbergparks. Die Jungs steckten alle in Retro-Outfit (u.a. die klassischen Creeps an den Füßen) und trugen Tolle, auch die beiden Sängerinnen Tina Schudde und Petra Humfeld trugen typische Kleider aus den 50ern und 60ern. Das Konzert ging los. An die genaue Setlist, und wann welcher Titel gespielt wurde, kann ich mich nicht mehr erinnern, aber es waren Songs aus dem ersten, englischsprachigen Album und die neuen Titel auf deutsch, aus dem gerade erschienenen Album "Katzen tanzen durch die Nacht". Es war auf jeden Fall ein sagenhaftes Konzert, das mir bis heute nicht aus dem Gedächtnis entschwunden ist. Der Frontmann Markus Fräger sang und tanzte wie ein junger Elvis. Besonders angetan waren wir von Luitger Fräger, dem Bassisten, der mit einem großen Kontrabass die wildesten Bewegungen und Aktionen auf die Bretter legte. Mal wog er sein riesiges Instrument wie eine Tanzpartnerin beim Tango, mal drehte er es mehrmals um seine eigene Achse, um dann die Drehung abrupt zu beenden und ein weiteres Basssolo darauf zu zaubern. Der Gitarrist Thomas Szalaga gab das eine oder andere Solo zum Besten und fungierte auch als Backgroundsänger. Die erste Stunde hatte es musikalisch schon in sich, sollte aber durch die zweite noch getoppt werden. Die englischen Titel, die ich bis dahin überhaupt nicht kannte und die auf der ersten LP zu finden sind, brachten uns ebenso in Stimmung wie die geschickt eingesetzten deutschsprachigen Songs. Relativ zu Beginn des Konzerts kam die uns bekannte Single "Heut Nacht" zum Vortrag, die wir natürlich von vorne bis hinten mitsingen konnten. Und wir bekamen erstmals den Song "Linda" zu hören, der später im Jahr zum größten Hit der Band werden sollte. Schon an diesem Abend erzeugte der Titel - nicht nur bei Thorsten und mir - den Wunsch, ihn immer wieder hören zu wollen. Insgesamt zwei Stunden mit Zugaben und ohne Pause spielte die junge Rockabilly-Band aus Dortmund ihr bis dahin vorhandenes Repertoire. Die anfänglich noch korrekt sitzenden Haartollen waren am Ende des Konzerts bei allen Beteiligten zerstört, und schweißnasse Haarsträhnen hingen ihnen ins Gesicht. Insgesamt zweimal mußten die ACE CATS am Ende nochmal zurück auf die Bühne, denn wir Fans wollten sie noch nicht gehen lassen. Noch einmal kamen wir in den Genuss von "Linda" und "Heut Nacht", ehe die sichtlich ausgelaugten und müden Musiker endlich zu ihrem wohlverdienten Feierabend kamen. Das Konzert war um kurz vor 22:00 Uhr dann auch wirklich beendet. Wir gingen noch zum Verkaufsstand (heute Merchandising-Stand genannt) und kauften uns das brandneue Album "Katzen tanzen durch die Nacht" auf Kassette (CDs gab's davon damals noch nicht, und die LP wollten wir nicht). Auch ein Konzertplakat wechselte an diesem Abend den Besitzer. Kurz bevor wir die Sporthalle verlassen wollten, kamen die Musiker nach vorne in den Saal und mischten sich unter die noch anwesenden Besucher. Die Gelegenheit wollten wir uns nicht entgehen lassen und ließen die Musiker auf unseren gerade erworbenen Plakaten unterschreiben. Mit Markus Fräger unterhielten wir uns noch kurz... Er nahm sich wirklich Zeit für seine Fans und stand nicht nur uns für ein paar Worte zur Verfügung. Das war ein wirklich netter Kerl!
Für zwei Teenager war ein Freitagabend mit den ACE CATS im Januar 1984 eine Zeitreise zurück in die 50er und 60er. Schade, dass man das mit der Besetzung von damals nie wieder wird wiederholen können... Anmerkung: Bitte beachtet auch das "Rauchzeichen"-Interview mit Thomas Szalaga: HIER klicken. Foto Impressionen: ![]() ![]() ![]() ![]() |