Lust auf dreckigen Deutschrock mit geilen Texten und gänzlich vorbei am 08/15-Mainstream des Charts-Trullalla? Dann mal flott in den Laden um die Ecke und nach der CD "Niemannslandrevier" von Kalkowski gefragt. Was uns bei den alten Helden wie z.B. Westernhagen abgeht, findet man hier noch: Nölenden Rock-Sound, leichtfüßige Rhythmen und schnodderige Texte. Hier gibt's den Blues und den eindeutig von den Beatles beeinflussten Beat. Wer ist Kalkowski? Der heute 61-jährige war schon zu Zeiten der Beatles als Schlagzeuger aktiv. Heute ist er über 40 Jahre Musiker und in seiner Begleit-Band spielten und spielen auch keine Unbekannten. So unterstützten ihn bis heute z.B. Michael Schirmer (ex Feeling B.), Hannes Richter (ex NO 55) oder Michael "Micky" Westphal (Metropolis, Stefan Waggershausen). Der ganz große Durchbruch als Solist ist ihm mit bisher drei Alben seit 1989 nicht gelungen, was man in Anbetracht der Qualität der hier vorliegenden vierten CD nicht verstehen kann. Den Hörer empfangen ehrliche Texte, schörkelloser Rock vom Feinsten und Songs mit dem Anspruch, Rockfans mit dem Wunsch nach Authentizität im Genre Rock in vollem Umfang zu befriedigen. Dabei gibt es krachenden Rock ("Nazareth"), funkigen 70er-Sound mit progressiven Einflüssen ("Alte Mama"), luftig-leichte Melodic-Rock-Nummern ("Niemannslandrevier"), aber auch bluesige Balladen mit Orgel ("Das mit uns", "Kreationen auf dem Reißbrett"). Dabei möchte man dem Sänger zustimmen wenn er sagt: "Lieber verbrennen im heißen Sand als ein Gefangener in Loch Ness". Man hört sehr deutlich, dass man sich nicht anpassen möchte und auch nicht den einfachen Weg gewählt hat. Auf der Überholspur des Rock brettern Kalkowski & Mannen durch 10 sehr unterschiedliche, doch pure Rocksongs ohne Schnörkel und Schminke. So stellt man sich eine Deutschrock-Platte vor, sowas möchte man hören, wenn einem etwas von "ehrlicher Musik" erzählt wird, sowas erwartet man, wenn über einen Künstler gesagt wird, er hätte sich über all die Jahre weiterentwickelt. "Niemannslandrevier" ist eine Scheibe für alle, die vom Pop die Schnauze voll haben und die es grenzenlos ankotzt, dass der Nachwuchs im Musikbusiness nichts besseres zu tun hat, als nur den Computer dazu zu benutzen, akustische Verbrechen am guten Geschmack zu verüben oder geile Klassiker aus früheren Dekaden zu vergewaltigen. Kalkowski bringt uns den puren Rock zurück, er rüttelt an Dir und hat Dir etwas zu sagen. Hör hin und freue Dich darüber, dass es sowas noch gibt... (Christian Reder) |