Cassandra Steen
Hallo nach Berlin.
Hallo! Wie darf ich Sie ansprechen? Cassandra ist in Ordnung. Bitte verraten Sie mir zunächst, wie man Ihren Namen richtig ausspricht. Englisch oder Norddeutsch? Steen spricht man mit i, also wie im Englischen. Das klingt nach einem Künstlernamen... Nein. Das ist mein echter Name. Ich heiße wirklich Cassandra Steen. Cassandra, weil es so aktuell ist, möchte ich zunächst mit Ihnen über die anstehenden großen Dinge reden. OK. In wenigen Tagen haben Sie den ersten Auftritt bei Stefan Raab. Wie kommen Sie als Vertreter Baden Württembergs zum Bundesvision Songcontest? Zunächst bin ich ja in Baden-Württemberg groß geworden und stehe auch zu diesen Wurzeln. Dann hat es wohl die Runde gemacht, dass ich demnächst mit einer Platte rauskomme. So hat man mich gefragt und ich hab nach kurzer Überlegung zugesagt. Die Teilnahme ist durchaus eine Ehre für mich.
Nun ja. Je näher der Tag rückt, desto aufgeregter werde ich einerseits. Ich versuche, nicht so viel an den Donnerstag zu denken, da ich mich nicht selbst zu hibbelig machen möchte. Andererseits bin ich aber nicht nervös. Am Sonntag hatten wir Proben für den Auftritt, die wirklich gut liefen. Jetzt freue ich mich darüber, dass alles gut klingt und ich am Donnerstag meinen Titel performen darf. Es ist alles schon spannend und aufregend. Wie ist Stefan Raab Ihnen bisher begegnet? Charmeur oder Raubein? Ich kann mich gar nicht beklagen. Ich hab ihn bei den Proben mehrfach angetroffen. Er war bisher geradezu hilfreich. Er sorgt sich darum, dass alle sich wohlfühlen und alles so ist, dass die Show gut funktioniert. Ich glaube auch, er wird beim Contest und bei den Interviews Milde mit den Kandidaten walten lassen. (lacht) Und die Konkurrenz? Bereitet die Ihnen Sorgen? (lacht ganz befreit - ein zauberhaftes, einnehmendes Lachen, das man hoffentlich zum Beispiel beim Contest erleben kann) Man weiß ja nie... Ich lass mich überraschen. Es ist eine sehr gute Konkurrenz, auf die ich mich auch richtig freue. Natürlich möchte jeder ganz weit vorne sein, um den Sieg mitstreiten. Aber da spielen viele Aspekte mit. Wir lassen uns mal überraschen. Man darf die Konkurrenten nicht unterschätzen. Sehen Sie einen Favoriten? Wen erwarten Sie als härtesten Konkurrenten? (überlegt und setzt diese Worte ganz nachdrücklich) Für mich persönlich wäre es Peter Fox (Seeed / "Haus am See" vom Album "Stadtaffe" - Anm. d. Verf.). Ich bin völlig gaga nach diesem Menschen und seiner Musik. Ich finde ihn ganz, ganz toll als Musiker und lieben Kollegen.
Nein. Nicht direkt. Aber ich könnte mir das gut vorstellen. Sie haben ja bereits mit vielen großen Namen gearbeitet. Gibt es neben Peter noch weitere Wunschpartner? Das stimmt. Es gab mit vielen sehr, sehr guten Künstlern Projekte im deutschen Bereich. Die haben viel Spaß gemacht und ich bin auch ein wenig stolz darauf. Zuletzt habe ich öfter mit Xavier Naidoo und auch noch ein wenig mit Abel Tawil (Ich + Ich, Anm. d. Verf.) gearbeitet. Mit beiden wird es auf meinem kommenden Solo-Album ja auch je einen Titel geben. Da man von diesen Menschen auch immer etwas lernt, hoffe ich auf eine weitere Zusammenarbeit in der Zukunft. Und im internationalen Bereich? Gibt es da jemanden? Da weiss ich gar nicht, ob ich das sagen soll. International würde ich sehr gern mit einen Herren (lacht), Robin Thicke, arbeiten. Kommen wir zurück zur Realität. Was bewegt Sie da gerade besonders? Zunächst erwartet mich viel Arbeit mit und um die neue CD. Zunächst werde ich bei Stefan Raab auf der Couch sitzen und mich seinen Fragen stellen. Einige lachen bei dem Gedanken bereits... Das wird spannend. Dann kommt der eigentliche Contest und danach die Veröffentlichung meines Albums. Da bin ich natürlich gespannt, wie es läuft, wie es ankommen wird, wie viele Menschen es emotional tatsächlich erreicht. Dann werden natürlich Konzerte anstehen. Und auf die freue ich mich gerade am allermeisten. Das heißt, es gibt eine Tour zum Album? Deutschlandweit? Noch ist da nicht alles entschieden. Doch ich bin ein Mensch, der gern optimistisch nach vorn schaut. Also hoffe ich doch mal... Ich möchte mich und meine Musik natürlich sehr gerne überall präsentieren. Für die Konzerte wären eine gute Platzierung der Platte und einzelner Titel sehr hilfreich. Cassandra, beschreiben Sie uns bitte Ihre Musik. Das ist nicht so einfach getan, da ich mich eingeordnet in eine Schublade nicht wohlfühle. Ich hoffe mal, dass meine Musik als solche akzeptiert wird. Es gibt Einflüsse sehr vieler Richtungen. Auf meiner Solo-CD finden sich in den Arrangements viele jugendliche und poppige Elemente. Die verbinde ich mit anspruchsvollen, tiefgründigen Texten und gebe meine Stimme dazu. Vom Gesang her, so will ich doch mal hoffen, gelingt es mir, genügend Seele in die Titel zu legen, dass eine gute Mischung aus allem entsteht. Denn so stelle ich mir Musik vor, so sollte Musik sein. Nicht eingesperrt und festgelegt in eine Kategorie. Meine Musik soll die Menschen berühren, sie in ihren Lebenslagen unterstützen, begleiten und Kraft geben. Natürlich hoffe ich, dass die Platte das auch erreicht.
Das weiß ich gar nicht. Zum Beispiel Bushido ist für mich ein ganz wunderbarer Mensch. Er ist auch ein Mann in seinem eigenen Reich. Aber so sind eigentlich alle Künstler, mit denen ich arbeite. Sie haben alle etwas Individuelles. Ich respektiere das zutiefst und möchte keinen davon missen. Sie gehören alle irgendwo zur Künstler- wie Privatperson Cassandra Steen. Gibt es musikalisch eine Grenze? Was würden Sie nicht singen? Mir sind die Aussagen der Titel sehr wichtig. Zu dem, was ich vermitteln möchte, passen sicher nicht alle musikalischen Richtungen. Die größten Probleme hätte ich wohl mit Heavy Metal. Metal zu performen, finde ich, passt nicht zu mir. Mit sehr harter Musik, gleich welcher Richtung, tue ich mich etwas schwerer. Ich kann mir sehr harten Rock für meine Inhalte eher nicht vorstellen. Bei vielen anderen Richtungen denke ich, kann man mit entsprechenden textlichen Aussagen und stilistischen Mitteln bestimmt musikalische Härte ausgleichen und durch Härte einen positiven Druck erzeugen, der den Titel voranbringt. Dann kann ich mir auch vorstellen, "harte" Stücke zu performen. Ich würde solche Stücke nicht verweichlichen wollen, sondern musikalische Härte als Mittel, das Texte unterstreicht, einsetzen. Ich kann mir vorstellen, dass musikalische Härte so positiv oder befreiend wirken, Mut machen kann. Sie sind ein positiver Mensch? (lacht) Das will ich schwer hoffen. Ich bin wirklich vom Wesen her positiv denkend und schaue lieber optimistisch und mit Erwartungen nach vorn, als wehmütig zurück. Und so soll meine Musik auch ankommen. Sie soll Mut geben, das eigene Leben anzupacken, der scheinbaren Ausweglosigkeit bei vielen Problemen etwas Positives entgegensetzen. Die neue Platte erscheint im Februar. Haben Sie selbst einen Lieblingstitel darauf? Ich höre mir die Platte immer wieder an und denke dann schon mal, DAS ist es. Das ist der Song auf dem Album. Dann kommt der nächste und ich stelle fest, der ist auch gelungen. Darum würde ich sagen, mein jeweiliger Favorit ist auch immer etwas von der Situation abhängig, in der ich die Titel höre. Obwohl das Album so etwas wie einen roten Faden hat, steht doch jedes Lied für sich und hat was ganz Besonderes, wo ich gar nicht sagen kann, dies oder das Lied wäre dadurch mein Lieblingstitel. Ich liebe die ganze Platte.
Ja, die hat sie auch. Auf jeden Fall. Da sprechen einige Texte für sich, glaube ich. Wer hat den Titel "Darum leben wir" für Raab ausgewählt? Das war schon auch meine Entscheidung. Und es war durchaus ein kleines Problem. Weil - eigentlich hätte jeder Titel ein Kandidat sein können. Letztlich führten dann viele Aspekte dazu, den Titelsong der neuen CD zu nehmen. Da war das Timing, kurz vor der Veröffentlichung der CD, verbunden mit der Aussage des Titels. Wir haben uns gefragt, worauf wollen wir die Aufmerksamkeit ziehen, in welchem Umfang und mit welcher Wirkung. "Darum leben wir" hebt sich in gewisser Weise am meisten von den vergangenen Stücken, die ich gerade auch bei Glashaus gemacht habe, ab. Zugleich bringt er das, was ich mit dem Album vermitteln will, auf den Punkt. Darum habe ich ihn den anderen Titeln vorgezogen, obwohl ich jeden für sich sehr mag. Ich möchte das Album insgesamt betonen und dafür scheint der Titel mir am geeignetsten. Möglicherweise werden später weitere Titel ausgekoppelt. Aber das ist Zukunft. Wie wäre es mit "Eis" oder "Glaub ihnen kein Wort"? (lacht) Ja! Warum nicht? Wie ich schon sagte - auch die beiden sind "Lieblingslieder" mit einer eigenen Geschichte und einem eigenen Anspruch. "Glaub ihnen kein Wort" ist sehr tiefgründig und nachdenklich, "Eis" hingegen hat eine geradezu optimistische Melodie. So konnte ich verschiedene Facetten meiner Musikalität in die Titel einbringen. Und natürlich hoffe ich, dass damit auch der Musikgeschmack vieler verschiedener Menschen angesprochen wird. Musikalität ist ein Stichwort für mich. Hatten sie eine musikalische Ausbildung? Ich hatte klassischen Musikunterricht. Das war zwischen 13 und 16. Ich hatte einen Lehrer, Klaus Basten, der sowohl klassische Arien als auch Maria Carey mit mir übte. Er legte auf grundlegende Dinge und Stimmbildung großen Wert, so dass meine Stimme sich entwickeln konnte. Es gab auch eine Zeit, in der ich ihn nicht bezahlen konnte. Er hat mich trotzdem weiter unterrichtet. Für das alles bin ich ihm immer dankbar. Meine gesanglichen Fähigkeiten hab ich eben auch ihm zu verdanken (lacht)
Ich würde mich nie mit ihr vergleichen wollen. Ich hab als Teenie ihre Musik und die Art und Weise zu singen sehr gemocht. Zu den Musikstunden hab ich ihre Sachen immer mitgeschleppt. Da mein Lehrer diese Musik auch sehr schön fand, hat er mich aufgemuntert, ihr als meinem Vorbild nachzueifern. Das war eine ganz, ganz schöne Zeit. Hat Sie noch jemand beeinflusst? Da muss ich zu allererst meinen Großvater nennen. Er ist Amerikaner und ein sehr weltoffener Mann. Er hat mir neben Blues und Soul auch Klassik nahegebracht. Zum Beispiel Pavarotti, den ich sehr liebe. Ich bin sehr traurig, dass ich ihn nie live auf der Bühne erlebt habe. Mein Großvater hatte so einen Raum im Keller, in dem er sich oft aufhielt. Und immer wenn man zu ihm kam, war dort Musik. Er war für jede Art Musik offen. Das ging von Marvin Gaye über Fleedwood Mac zu Folk und Gitarren bis zu Klassik. Und diese Offenheit hat er mir ein wenig mitgegeben. Das war ihm wichtig. Ich fand es immer sehr, sehr schön mit ihm. Das hört sich nach einer sehr innigen Beziehung an... Ja. Die habe ich immer noch zu meinem Großvater. Mein Großvater ist der Grund, weswegen ich überhaupt gewagt habe zu träumen und selbst Musik zu machen. Cassandra, lassen Sie uns ihren musikalischen Weg, den viele große Namen des deutschen R'n'B, Soul und Hip Hop kreuzten, etwas näher betrachten. Wann und wie kamen Sie zu Freundeskreis und Max Herre, wo gewissermaßen Ihre Karriere begann? Wie alt war ich denn da eigentlich? (Cassandra überlegt kurz) Den ersten Kontakt gab es im Teeniealter, als sich fast alles bei mir darum drehte zu singen. Eine Freundin der Familie war mit einem Produzenten zusammen, der wiederum Kontakt zu Freundeskreis hatte. Der hatte ein Demo von mir gehört, das ihm dermaßen gefiel, dass er es an Freundeskreis weitergab. Die fanden das auch ganz toll und schon stand ich im Studio mit ein paar Jungs, die Musik gemacht haben. Ich hab einige Titel auf der "Quadratur des Kreises" performen dürfen. Zusammen mit einer sehr guten Freundin, der Schwester SÈKOU's, der ja auch an der Platte beteiligt war, sind wir auch im Video zu "Wenn der Vorhang fällt" zu sehen (lacht). Das war dann auch mein erstes Musikvideo. Da war ich 16 oder 17. Schließlich ging es dann auch auf Tour. Die Platte ist eines der ersten erfolgreichen deutschen Hip Hop-Alben geworden.
Das hab ich jetzt schon des Öfteren gehört. Mir ist das damals gar nicht so aufgefallen, und ich würde das so auch nicht gelten lassen. Wir waren auf Tour und ich hörte wenig von Four Music. Dafür kamen aus Hamburg, wo die Szene gerade aufblühte, jede Menge Anfragen. Und da ich singen wollte, bin ich weg von Freundeskreis aus Stuttgart nach Hamburg gegangen. Unwissend, worauf ich mich da zum Teil einlasse. Dass Max (Herre - Anm. d. Verf.) das wohl recht persönlich genommen hat, war mir nicht so bewusst. Ich dachte für mich "Ok, die Sache ist gegessen, die Tour vorbei. Suchst Du Dir was Neues". Viel später, als ich auch nicht mehr in Hamburg, sondern mittlerweile bei 3P war, kam heraus, dass da einige Menschen wohl doch über meinen Ausstieg bei Freundeskreis enttäuscht waren. Das kam zwar nie direkt so an und mittlerweile ist Max auch wieder ganz guter Dinge mit mir (lacht)... Im Übrigen, so glaube ich, wäre eine große Produktion damals auch nicht zu Stande gekommen, weil ich da noch gar nicht wirklich so weit war. Ich habe eigentlich recht lange gebraucht, meinen Weg zu finden. Dann war damals auch die große Aufmerksamkeit für mich neu. Ich glaube, ich wäre noch zu instabil gewesen, mit zu viel Ruhm vernünftig umzugehen. Ich war ja auch recht jung. Vieles auf meinem Weg ist mir einfach so passiert. In einige Stationen bin ich einfach so blindlings hineingestolpert. Weil sich gerade etwas ergab, ohne dass ich wusste, was auf mich zukam. Hauptsache, Musik machen. Ich hatte öfter Glück, dass immer wieder Menschen da waren, teilweise einfach so auftauchten, die mich aus meiner Welt rausholten oder auch auf dem Boden hielten, wenn ich gerade besonders gehyped wurde. Es gibt ja genügend Beispiele, die ich mitbekommen habe, die abgehoben sind. Wenn man vom Medienrummel geradezu überschwemmt wird, birgt das durchaus diese Gefahr. Auch in dem Fall, dass die Aufmerksamkeit zu Recht da ist, weil man etwas wirklich Gutes zu Stande gebracht hat, gehört dazu innere Stabilität. Für mich arbeite ich daran unverändert. Ich lerne und wachse heute noch. Prinzipiell. Und ich hoffe, das hört nicht auf. Wenn ich so zurückdenke, war es wohl besser, dass ich keine eigene Platte mit Freundeskreis oder nach "Quadratur des Kreises" gemacht habe. Ich war damals viel zu unsicher, meine Person noch zu wenig gefestigt, als dass ich mit den Folgen, gleich ob Erfolg oder Misserfolg, richtig hätte umgehen können. Aber ich fühle mich geehrt, wenn Max sagt, dass man mit mir so etwas Großes vorhatte. Heute sehe ich das so: Da war die Musik. Die ist sehr schön geworden. Ich habe mit wundervollen Menschen arbeiten dürfen. Die haben das Ganze ja erst ermöglicht und schließlich zu dem gemacht, was es am Ende wurde. Großer Rummel um Ihre Person scheint mir eh nicht Ihre Sache zu sein... Warum auch? An einem Erfolg arbeiten ja immer viele Menschen mit. Und mit einem Ergebnis gehe ich auch nicht für mich, sondern für alle Beteiligten raus an die Öffentlichkeit. Was bedeutet Ihnen kommerzieller Erfolg? Der ist nicht schlecht. Schon um weiter Musik machen zu können. Zudem gibt er die Freiheit, vieles ausprobieren zu können, Neues anzubieten und damit als Künstler zu wachsen.
Vergleiche mit so großen Namen sind natürlich, wenn man auf dieses Niveau gehoben wird, immer schmeichelhaft. Mit Sabrina Setlur habe ich ein paar Songs aufnehmen dürfen. Wir waren ja gemeinsam bei 3P. Daher kenne ich sie recht gut. Ich wünschte mir ab und an, so rappen zu können wie sie. Sie macht das einfach fantastisch. Aber das ist nicht mein Musikstil. Insofern kann man uns gar nicht richtig vergleichen. Wenn es aber darum geht, eigene Sachen auf diesem hohen Niveau zu machen, wie Sabrina das gemacht hat, dann ehrt mich so ein Vergleich. Ähnlich ist das mit Joy. Sie hat sehr gute Sachen gemacht. Aber es sind ihre. Bei aller Ehre, die ein solcher Vergleich darstellen kann, hat dennoch jeder Künstler den Wunsch, eigenständig wahrgenommen zu werden. Insoweit mag ich solche Vergleiche nicht wirklich. Es kommt ja auch niemand ernsthaft auf die Idee, mich mit Xavier zu vergleichen, der für mich die Soulstimme überhaupt ist. Ich habe von ihm viel lernen können. Die Wege mit Xavier Naidoo kreuzen sich ja immer wieder. Ja. Das ist so. Zunächst folgte ich ihm bei 3P. Als mich damals Moses Pelham ansprach, war ich nur geehrt. So richtig verstanden hab ich das damals gar nicht. Für mich stand nie zur Debatte, ob ich an diesen großartigen Künstler heranreichen könnte. Ich habe meine Musik gemacht. Irgendwann hab ich dann zu Xavier auch direkt Kontakt bekommen und dann haben wir immer wieder miteinander gearbeitet. Zunächst hab ich mir wenig dabei gedacht, nichts gefragt. Ich war einfach sprachlos und geehrt. Er hat mich gefragt und ich hab einfach mitgesungen (lacht). Zuletzt bei "Wettsingen in Schwetzingen" und jetzt auf meiner CD der Titel "Lass mich nicht hier". Das sind zwei Projekte, in denen er zeigt, dass er selbst jetzt, nach so vielen Jahren, noch wächst. Er kommt ins Studio und man stellt jedesmal fest, er ist noch besser geworden... Einfach unglaublich. Beide bedeuten mir viel. Ich habe dabei eine Menge Neues gelernt.
Mich beeindruckt, wie er bei dem ganzen Trubel um seine Person immer die Musik in den Vordergrund stellt. Auch wie er mit Kollegen umgeht, auf sie eingeht. Gerade bei unseren letzten Arbeiten haben wir uns, glaube ich, ganz gut ergänzt. Er hat gefordert und gleichzeitig viel Sicherheit gegeben und Ruhe ausgestrahlt. Außerdem lässt er Raum für die eigenen musikalischen Gedanken. Irgendwie ist er fast ein persönlicher Mentor. Um zu lernen genügt es zumeist schon, ihn zu beobachten oder eben miteinander zu singen (lacht). Und so gibt es schon Pläne, auch in Zukunft weiter miteinander zu arbeiten. Allerdings ohne dass wir uns da unter einen bestimmten Druck setzen würden. Das macht die Arbeit zusätzlich angenehm und wird dazu führen, dass sich dann ungezwungen etwas richtig Gutes entwickeln kann. Auf das, was daraus entspringen wird, freu ich mich heute schon. In unserem Forum gab es die Frage: Wird es eine weitere Zusammenarbeit mit Moses P und Glashaus geben? Das Projekt Glashaus ist derzeit nur zur Ruhe gelegt. Vorerst mal. Völlig abgeschlossen ist es nicht. Ich freue mich darauf, in der Zukunft wieder mit den Jungs zu arbeiten. Im Augenblick ging es mir aber vor allem darum, auf eigenen Beinen zu stehen und meine eigene Musik zu machen. Zwischen Moses P. und Xavier Naidoo gab es zwischenzeitlich mal ernste Probleme. Hatte das Auswirkungen auf Ihre Arbeit bei Glashaus oder das jetzige Projektende? Nein! Ganz und gar nicht. Das ist eine Sache zwischen den beiden gewesen, die sie auch allein klären müssen. Ich lasse mich da nicht gern vom einen oder anderen beeinflussen oder einspannen. Ich bin eine eigenständige Person und arbeite mit beiden in ganz anderen Situationen. Das Ganze hatte keine Auswirkungen. Weder bei Glashaus, wo ich ja eine wunderbare Zeit hatte, noch auf die augenblickliche Pause. Dass Glashaus recht erfolgreich war, lag sicher auch an der vergleichbaren Auffassung von Musik zwischen Moses und mir. Ich sage mal - wir waren da seelenverwandt. Das Projekt haben wir über einige Jahre gemeinsam vorangebracht. In dieser Zeit bin ich innerhalb und außerhalb von Glashaus gereift. Ich hatte zuletzt den Eindruck, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für etwas Eigenständiges wäre. Daraus ist mein Soloalbum entstanden. Jetzt werde ich mich verstärkt solistisch versuchen, ohne die Arbeit mit meinen Kollegen und Freunden ganz abzubrechen.
Nein. Ganz und gar nicht. Aber ich achte darauf nicht, so dass mir das vielleicht nicht so sehr auffällt. Zum einen habe ich ja gerade ein wenig Präsenz mit dem Songcontest, der Single aus dem neuen Album und anderen Aktionen. Und die Richtung an sich ist ja auch nicht so schlecht vertreten. Vor allem ist mir aber ganz wichtig, dass jede Form von Kunst - auch Schlager und Volksmusik, wie der Name schon sagt - wenn sie die Menschen erreicht, ihren Platz hat und völlig in Ordnung ist. Zudem sehe ich Volksmusik in gewisser Weise als Basis für andere Musik. Die einen nutzen direkt Elemente daraus, andere haben eine Aversion gegen diese Musik (lacht), aus der etwas Eigenes, Neues entsteht. Es ist an den Künstlern, in der deutschen Musikkultur eine neue Volksmusik zu entwickeln, die nicht verstaubt sein muss. Auf keinen Fall sollte man in Deutschland die eigenen musikalischen Wurzeln vergessen. Neid halte ich für unangebracht. Cassandra, ich frage noch einmal nach den Castingformaten. Was halten Sie davon und von den Stars und Sternchen, die da gepushed werden? Na ja... die, die wirklich länger gepushed wurden, kamen ja zumeist aus Amerika oder England. Italien zum Beispiel lässt sich auf solche Formate gar nicht ein. Dort glaubt man an die eigenen Künstler und bietet ihnen andere Möglichkeiten, sich zu entwickeln. Wenn ich mir das bei uns angeschaut habe, und das habe ich sehr selten getan, dann wurden da immer die rausgeschmissen, die Talent hatten. Ich finde, da wird sehr vieles vermischt. (überlegt) Talent wird hinter das Auftreten gestellt. "Ich bin von mir überzeugt", ohne Talent zu haben, wird derart stark unterstützt, dass man als Kind oder Jugendlicher ganz falsch beeinflusst wird, wenn man das sieht. Es tendiert teilweise zu einer völlig falschen Auffassung von Musik an sich. Fraglich, ob man das, was vorgeführt wird oder dann am Ende entsteht, braucht. Ob es das ist, was vom Publikum gewünscht wird. Was die Branche angeht, finde ich diese Formate allerdings sehr ehrlich. Schnelllebig, immer neue Gesichter und Stimmen mit dem Versuch, etwas Bleibendes zu schaffen und natürlich auch, Geld damit zu verdienen. Die Ergebnisse, das was die Kandidaten während und nach der Show machen, wie sie sich zum Teil sehr überheblich benehmen, das alles spricht für sich. Kein Tag ohne Nacht... Einigen ist es offensichtlich wichtiger, kurzzeitig im Fernsehen zu sein, als eine ernsthafte Musiklaufbahn voran zu bringen. Ich für mich sehe das so, dass man in der Beschäftigung mit solchen Formaten die Chance bekommt, zu zeigen, was Musik für einen selbst bedeutet. Denen mit Talent, bei denen man spürt, sie können die Musik weiterbringen, gönnt man dann natürlich auch den Erfolg.
Stefan Raab hat da etwas inszeniert, das sich von anderen Musikformaten doch deutlich abhebt. Wie in seiner Musik hat er Spaß mit Anspruch und Klasse verbunden. Dass es dieses Format gibt, rechnen ihm wohl auch viele Musiker sehr, sehr hoch an. Zum einen ist es vielleicht DIE TV Plattform für alternative deutsche Musik. Und dennoch ist alles etwas lockerer. Wenn Sie träumen, Cassandra, wie geht es dann weiter? Was möchten sie machen? Am wichtigsten ist mir im Augenblick, mit der neuen Platte auf Tour zu gehen und zu sehen, wie die Musik ankommt. Ich bin gespannt auf die Resonanz des Publikums und wie das dann überschwingt auf die Band und mich. Das ist etwas, das man wiederum zurückgeben kann, so dass ein Wechselspiel entsteht, man sich gegenseitig aufbaut… Ja und wenn ich dann weiter träume, dann vielleicht von einem Auftritt mit einem großen Orchester. Das ist etwas, das ich sehr gern einmal ausprobieren möchte. Und seit ich singe ist es schon immer mein Traum, einmal eine Arie zu singen. Das wäre so zu sagen mich musikalisch austoben. All das teilen, was mich bewegt und natürlich auch das einfach mal ausprobieren. Das wäre schon schön.
Oh ja! Ein großes Hobby von mir, auch wenn es langweilig klingen mag, ist Lesen. Ich lese sehr gern und viel. Was ich auch gern wieder mehr machen möchte, ist Reiten. Ich bin sehr gern draußen in der Natur. Aber dazu fehlt manchmal schon die Zeit. Lesen fällt da leichter und ist mir gerade auch sehr wichtig. Da drängt sich die Frage auf: Was lesen Sie? Ich habe gerade Tolstoi für mich entdeckt (das sagt Cassandra so begeistert, dass kein Zweifel bleibt, wie sehr sie die russische Melancholie fasziniert hat. Sicher ist ein dicker Wälzer im Handgepäck beim nächsten Flug). Ich bin zufällig über eine Kurzbiografie auf ihn aufmerksam geworden. Der Mensch dahinter hat mich so fasziniert, dass ich mich um seine Bücher bemüht habe. Im Augenblick lese ich "Anna Karenina". Einfach wundervoll geschrieben. Ein Roman mit Seele. Ich freu mich auf die ganzen anderen seiner Bücher. Cassandra, ich danke Ihnen für das interessante Gespräch. Für den Contest drücke ich Ihnen die Daumen. Und Ihre CD - die wünsche ich mir in den Top Ten. Wenn dann einer der Titel des Albums Nummer 1 wird, sehen wir uns hier wieder. Das müssen Sie mir versprechen. (lacht) Dankeschön. Das Nummer 1-Interview bekommen wir dann schon hin. Interview: Fred Heiduk Bearbeitung: kf, cr Fotos: Archiv Cassandra Steen |