Annett Louisan & Gäste am 07.07.2008
live in Berlin auf dem Gendarmenmarkt

(mit Götz Alsmann und Laith Al-Deen)


Bericht: Petra Heinzel, Christian Reder
Fotos: Dietmar Meixner








Manche Leute vergleichen sie gerne mit Norah Jones oder Carla Bruni. Mag sein, dass da was dran ist. Noch ein Vergleich sei erlaubt: Der mit Kate Bush, dem britischen Superstar mit der Elfenstimme. Und der Vergleich - wenn man es denn unbedingt tun muss - trifft besser zu, als der mit den beiden anderen Damen. Sowohl Mrs. Bush als auch Frau Louisan überzeugen und fesseln mit ihren Stimmen. Beide Damen sind von zierlicher Gestalt, und man fragt sich unweigerlich: Woher holen diese kleinen Geschöpfe diese Kraft in ihrer Stimme? Beide sammeln mit ihren Platten und CDs Auszeichnungen. Annett Louisan, die mit bürgerlichem Namen Annett Päge heißt, und im malerischen Havelberg geboren wurde, hat ihre erste Platte im Jahre 2004 veröffentlicht. Seitdem hagelt es Goldene und Platin-Auszeichnungen für ihre drei bisher veröffentlichten CDs. Im Rahmen der Klassik Open Air Veranstaltungen auf dem Berliner Gendarmenmarkt war in diesem Jahr die kleine blonde Sängerin mit der fantastischen Stimme live zu erleben.
Plakatierung und Radiowerbung sorgte schon für große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Jeder wusste, dass auf dem Gendarmenmarkt ein Mega-Event stattfinden wird. Das Publikum erschien festlich gekleidet. Egal ob eine ältere Dame in einem rosa Kostüm mit passendem Hut und natürlich passend gekleidetem Ehemann, oder schöne junge Frauen im knappen roten oder schwarzen Kleid... alle Besucher waren für einen besonderen Anlass auch besonders gut gekleidet. Unter den Zuschauern waren auch bekannte Gesichter aus Film und Musik anzutreffen, z.B. - wie auf einem Foto zu sehen - Claudius Dreilich von KARAT.
Pünktlich um 19:30 Uhr begann die Veranstaltung. Das Publikum wurde freundlich begrüßt und allen Medienpartnern gedankt. Die Zusammenarbeit mit Opel hält bereits länger als manche Ehe, nämlich 15 Jahre. Auch das Filmorchester Babelsberg, unter musikalischer Leitung von Wolf Kerschek, steht für diese Veranstaltungen bereits seit 15 Jahren auf der Bühne. Die Vorzeichen standen gut, denn es soll noch nie bei einer Veranstaltung der Super Illu geregnet haben. Alle Blicke richteten sich besorgt gen Himmel, und ihre Sorge sollte zurecht aufkommen....
Annett wurde angekündigt mit: "Sie ist niedlich, ein schlauer Kopf mit viel Temperament. Freuen Sie sich nach der Ouvertüre auf Annett Louisan". Das Filmorchester, mitten vorm Schauspielhaus, war in gelbes Licht gehüllt, und links und rechts erstrahlte blaues Licht. Die Zuschauerplätze waren auf zwei Seiten verteilt, da mittig vor der Bühne Friedrich Schiller mit Blick zum Publikum über alles wachte. Schwungvoll betrat Annett in einem schwarzen Kleid die riesige Bühne. Als ihre Stimme erklang, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. In den Reihen herrschte absolute Ruhe. Die "kleine" Annett verzauberte auf Anhieb mit ihrer "großen" Stimme. Sie drehte sich zum Orchester und alle hörten dem ersten Geiger zu, bis dann die Akustikgitarre einsetzte und Annett ihr Lied, "Das Gefühl", mit "schau mich mal an, schau mich nur um" beendete. Sie begrüßte freudig das Publikum: "Es ist für mich eine große Ehre in dieser Stadt, die ich so liebe, zu spielen. Hier auf dem wunderschönen Gendarmenmarkt mit herrlichem Blick auf den Po von Friedrich Schiller. Das ist das Filmorchester Babelsberg und meine Band ist auch dabei. Sie wird mich tragen wenn ich falle. Und jetzt kommt `Das Spiel`". Ein irres Kompliment, in schöne Worte gehüllt, an ihre Band. Bevor es mit "Fettnäpfchen" weiterging, stellte Annett ihren Konzertmeister Torsten Schulz vor. Die Säulen des Schauspielhauses wurden blau angeleuchtet und Annett sagte: "Ich bin ein klassisches One-Night-Stand, und das hat mich zu einem Lied inspiriert. Es heißt Zwischenfälle". Ihre Ansagen waren fantastisch, wie auch die Ankündigung des Liedes "Wahrheit": "Die meisten Menschen sind nicht scharf auf die Wahrheit. Die meisten Menschen können sie auch nicht vertragen. Das können wir Frauen aber gut". Am Ende des Liedes heißt es "Frauen lügen nie". Ich weiß jetzt nicht, welcher Teil des Publikums mehr geschmunzelt hat, die Frauen oder die Männer.
Die Setlist des Abends:


Kurz bevor Annett ihren guten Freund Götz Alsmann begrüßen konnte, begann es zu regnen, und die eingangs erwähnten Sorgen der Besucher bewahrheiteten sich. Einige hatten Schirme dabei, andere suchten ein schützendes Dach und andere wiederum schützten sich mit den sofort zum Verkauf angebotenen Einweg-Regenjacken. Götz sang "Blumen für die Dame" und freute sich: "Schön, dass noch einige geblieben sind... Da wo ich bin, regnet es meistens". Ich weiß gar nicht, ob überhaupt irgendeine Person den Platz verlassen hatte, ich glaube es aber eher nicht. Weiter ging es im Programm mit einem Tierlied, das Götz extra für diesen Abend ausgesucht hatte. Dann bat er Annett für ein gemeinsames Lied auf die Bühne. Annett schickte uns mit "Die ehrliche Haut" (und ohne Regen) in die Pause.
Nach der Pause startete das Babelsberger Filmorchester mit sanften leisen Klängen "Yesterday". Annett weckte uns mit "Das große Erwachen". Gänsehautfeeling dann bei "Läuft alles perfekt... nur die Liebe ist weg". Es ist ein sehr ruhiges Lied mit viel Leidenschaft und Liebe, durch das Orchester wunderbar untermalt. Und genau in diesem Moment dämmerte es. Als nächsten Gast begrüßte Annett den Musiker Thorsten Schmidt und zelebrierte mit ihm einen schönen Song. Wie im fliegenden Wechsel verließ Thorsten Schmidt nach dem Lied die Bühne, und schon kündigte Annett einen weiteren Gast an: "Den nächsten Gast habe ich auf einem Festival kennen gelernt, und ich freue mich, dass er meine Einladung angenommen hat. Heute Abend werden wir das erste Mal zusammen live singen... Laith Al-Deen". Mit "Bilder von dir" fand er sofort den richtigen Einstieg, und meinte anschließend: "Ich habe Annett geküsst... vom Regen muss man sich nicht beeindrucken lassen, ihr seht immer noch gut aus". Passend hierzu beendete er den nächsten Song mit "jedes Mal wurde der Regen etwas stärker". Annett stellte dann fest, dass immer, wenn sie die Bühne verlässt es regnen würde. Und da hatte sie wohl Recht: dann weinte der Himmel. Sie entschied spontan, und aus Solidarität mit dem Publikum, sich für das Duett mit Laith an den vorderen Bühnenrand in den Regen zu stellen. Nicht nur diese Geste war sehr beeindruckend, sondern auch der gemeinsame Song "Wenn du dich traust". Für mich persönlich der absolute Höhepunkt des Abends. Eine wunderschöne Ballade. Das Orchester wurde in orange bis rötlichen Farbtönen gehüllt, und das restliche Bühnenbild in pink bis lila. Die Bühne erstrahlte an diesem Abend, dank einer wunderbaren Lichttechnik, in verschieden Farben, und immer wieder anders: Das Schauspielhaus leuchtete gelb, orange, blau oder auch in grün. Bei dem eigentlich ruhigen Song "Der den ich will" zeigte das Orchester vollsten Einsatz, bis er dann wieder sehr ruhig endete. Annett zitierte sogar Dean Martin bevor sie mit einem großen Blumenstrauß und ihrer Band die Bühne verließ. Die Zuschauer waren total begeistert, und Annett kam mit ihrem Songwriter Martin Gallop und dem Song "More than you should know" zurück. Bei diesem Duett hielt es kaum noch jemand auf den Stühlen, der Mittelgang wurde gestürmt. "Die Dinge" verscheuchte schwungvoll den Regen. Nun wurden alle Gäste auf die Bühne gebeten und Annett fragte das Publikum: "Wollt ihr noch ein Lied?", worauf alle riefen "JA". "Das Liebeslied" war dann leider schon das letzte Lied für diesen Abend. Das Klatschen nahm kein Ende, und jeder, wirklich jeder auf dem Platz war begeistert von dieser einzigartigen Künstlerin und dem Programm des Abends. Das Orchester stand auf und bedankte sich. Sogar Annett kam noch einmal im weißen Bademantel auf die Bühne zurück (ganz so, wie man es von Udo Jürgens her kennt) und sagte freudig: "Ich werde dieses Konzert nie vergessen".
Um 22:00 machten sich alle auf den Heimweg, nur "Deutsche Mugge" wartete noch ein paar Minütchen auf den Star des Abends. Annett kam und schrieb für Euch einen netten Gruß. Vielen Dank Annett, es war ein unvergessener Konzertabend. Ein weiterer Dank geht an die Veranstalter (insbesondere an Frau Angelika Röder) für die Einladung an "Deutsche Mugge"! Ein großes Lob geht auch an eben diese Veranstalter, die sich Jahr für Jahr etwas Neues und ganz Besonderes für den Gendarmenmarkt einfallen lassen.




Foto Impressionen: