Pressekonferenz Heinz Rudolf Kunze
am 05. November 2008 in Hamburg




Bericht: Holger Stürenburg
Fotos: PR




Am 30. Januar 2009 veröffentlicht der selbsternannte "Mann des vorigen Jahrhunderts", Deutschrock-Idol HEINZ RUDOLF KUNZE, seine neue Produktion, die sich schlicht, einfach und hundertprozentig zutreffend "Protest" nennt.
Aus diesem Anlaß, luden er, sein neues Management "C&E" und seine Plattenfirma Ariola/SONY zu einer sehr familiär ablaufenden Pressekonferenz ins "GAGA"-Studio zu Hamburg-Eidelstedt ein, wo HRK, gemeinsam mit seiner vierköpfigen "Verstärkung", derzeit die 15 Songs von "Protest" einspielt.
Der langjährige Intimus des sprichwörtlichen "Vertriebenen", Heiner Lürig, ist diesmal nicht mit von der Partie - stattdessen beschreitet Heinz 2008/09 gänzlich neue Wege. Produziert wird "Protest" vom knapp 40jährigen Bassisten Lenard "Leo" Schmidthals, gebürtig aus Kassel stammend, und bislang für teutonische Pop- und Rock-Koryphäen der Sorte Udo Lindenberg, Nena, "Fury in the Slaughterhouse", Marianne Rosenberg oder Joachim Witt tätig gewesen. Und siehe da: Leo gelingt es, musikalisch und hinsichtlich arrangementbezogener Umsetzung, seinem aktuellen 'Herrn und Meister' HRK gehörigen "Drive", immense Frische und eine gute, aber niemals übertriebene Portion tönender Aktualität zu verpassen. Der Wilhelmshavener Gitarrist Jörg Sander (41), der langjährige Lindenberg-Schlagzeuger Jens Carstens (37) und Heinz' Langzeit-Keyboarder Mathias Ulmer (50) vervollständigen die vermutlich seit Ewigkeiten beste "Verstärkung" von des Rezensenten großem, beinahe übermächtigen Jugendidol und sprachlichen Vorbild Heinz Rudolf Kunze.
So war ich extrem stolz, am Mittwoch, 05.11.2008, zwischen 11.00 Uhr und ca. 13.00 Uhr, Teilnehmer jener Pressekonferenz gewesen zu sein, im Rahmen derer Heinz Rudolf Kunze einen Großteil der 15 brandneuen Songs von "Protest", pointiert kommentiert, rund 40 anwesenden Journalisten erstmals vorstellte.
Ab dem 13. November 2008 wurden bundesweit sämtliche relevanten Radiostationen mit der (leider nicht im Handel erhältlichen) Vorab-Auskoppelung "Längere Tage" bemustert - ein klassischer HRK-Gitarrenpop-Ohrwurm, eingängig, hymnisch, intensiv, zugleich freundlich und liebevoll inszeniert, der fraglos das Zeug zu einem bedeutsamen Radiohit für den 52jährigen Brillenträger hat, der Heinz heißt, "wie sein Onkel, der in Frankreich fiel" und Rudolf "wie Rudolf Heß" (Textzitate aus "Vertriebener", 1985). Zur Untermalung dieses wunderschönen Liedes wurde übrigens ein leicht kafkaesk anmutendes Schwarz-Weiß-Video gedreht, von dem zu hoffen ist, daß es künftig in vielen genrebezogenen Sendern zum Einsatz kommt.
Als zweiter Titel auf Heinz' neuer Promosingle dient das in klanglicher Betrachtungsweise sehr aggressiv ausgefallene, hardrockig-gitarrenlastige "Protest"-Lied "Astronaut in Bagdad", das lyrisch sehr einfühlsam mit der irrsinnigen Nahost-Politik der Bush-Administration abrechnet, die bekanntlich vor kurzem - genau gesagt, in der Nacht vor hier erläuterter Pressekonferenz - durch den fulminanten Wahlsieg Barack Obamas hoffentlich (!) zu ihrem gerechten Ende geführt wurde. Beide genannten Titel, so der Künstler, würden - eben ob ihrer stilistischen Unterschiedlichkeit - die gesamte Bandbreite seines neuen Albums vorzeigen. Tatsächlich erscheint HRK anno 2008 bzw. 2009 so vielseitig, vielfältig, gleichsam unverfälscht, authentisch und ehrlich, wie lange nicht mehr.
Er brilliert in der grazilen (und zeitgleich nicht gerade unagressiven) Pianoballade "Auf einem anderen Stern" mit faszinierenden Formulierungen der Sorte … ich befinde mich "in einem Zustand, wie Gorbatschow am Ende der Sowjetunion", präsentiert im mit profunden Gitarrenriffs ausgestatteten Up-Tempo-Gitarren-Popper "Sie geht vorbei" unkopierbare Wortspiele wie "Sie zuckt nicht mehr mit den Wimpern / und auch nicht mit der Axel - So heißt ja auch ihr neuer Typ". Die Dylan-ähnliche, folkorientierte Gitarrenballade "Elixier" besticht mit einem quergedachten, philosophischen Text, der knochentrockene, texanisch gepfefferte Bluesrocker "Warum" berichtet surreal über - Zitat: HRK - des Interpreten "vier neue Freunde" "Krüppel Wutzek", "Blondes Gift", "Fatty Müller" und den "Klarsichthüllenmann", dunkel, düster, zu knallharten Punkrhythmen sinniert HRK in "Selbst ist die Zerstörung" Morbides a la "Der Tod hat ein süßes Aroma". Stimmungsvoll und inhaltlich gänzlich konträr ausgestaltet, zeigt dagegen sich "unser Frühlingslied" (Zitat: HRK) "Ein besonderer Tag", das ein mehr als nur optimistisches, zukunftsorientiertes Lebensbild zeichnet. Zeitgeistkritisch wird's im Gitarrenrocker "Du bist so süß", in dem HRK mal wieder mit der "Generation Doof", der von ihm bereits 2001 genialisch karikierten "erbärmlichen Jugend von heute" abrechnet. "Du bist so FURCHTBAR süß" himmelt der überzeugte Zeitgeistverächter ein junges Mädel an, das zwar alle Dialoge irgendwelcher dümmlicher RTL-Soaps in- und auswendig kennt, aber nicht weiß, was eigentlich ein "Bundeskanzler" ist bzw. daß es einen solchen überhaupt gibt… Überwiegend von traurigen Pianoakkorden bestimmt wird die "große Trennungsballade" (HRK) "Regen in meinem Gesicht" - der grandios melancholische Text gipfelt darin, daß der Verlassene keine Tränen weine - nein, es sei vielmehr "Regen in seinem Gesicht". Lyrisch schier phänomenal, trefflich mit einer stillen, sanften und trotzdem überaus aussagekräftigen, starken Melodie verbunden. Die "Rosenstolz"-ähnliche, von Schlagzeuger Jens Carstens mitkomponierte Mid-Tempo-Gitarrennummer "Einmal noch und immer wieder" leitete über ins ‚Grande Finale' (ich wage mal, an dieser Stelle, Udo L. zu zitieren) "Aber, Menschen?" - der Verfasser dieser Zeilen gibt unumwunden zu, gewisse Züge eines Misanthropen in sich/an sich zu tragen. HRK - ist er womöglich selbst in mancher Hinsicht Misanthrop ??? - parodiert diese Einstellung perfekt in diesem "Liebeslied für alle Menschenfeinde" (O-Ton HRK), die in erster Linie Korken, Hosen oder Blumenkästen lieben - "aber, Menschen??" zu lieben ist ihnen vollkommen fremd. "Klare Verhältnisse", Heinz' letzte CD aus dem Jahr 2007 war zweifellos ein sehr gutes Kunze-Album. "Protest" hingegen wird ein Spitzenalbum des ewigen "Vertriebenen" werden. Es zieht musikalisch, wie inhaltlich, alle nur erdenklichen Register. Zwischen sanftem Pianoschleicher und dröhnendem Punk ist alles dabei, in harmonischer Kooperation mit HRK's diabolischen Wortgefechten - all dies wird dafür sorgen, daß die erste große Deutschrock-Sensation des Jahres 2009 "Protest" heißen und sein wird. Im CD-Beiheft wird ein Zitat des legendären "Protest"sängers Bob Dylan abgedruckt sein: Ein Reporter fragte einst "His Bobness", warum er eigentlich keine "Protest"songs mehr schriebe, worauf hin der Meister locker antwortete: "Alle meine Lieder sind PROTESTSONGS". Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen!

Eine Albumrezension folgt an dieser Stelle umgehend nach Bemusterung; die Tourneetermine verrate ich nun schon mal:

27.04.09 - Rostock - Stadthalle
28.04.09 - Kiel - Sparkassen-Arena
29.04.09 - Berlin - Huxley's
30.04.09 - Leipzig - Haus Auensee
01.05.09 - Dresden - Alter Schlachthof
03.05.09 - Erfurt - Stadtgarten
04.05.09 - Stuttgart - Theaterhaus
05.05.09 - Köln - Live Music Hall
07.05.09 - Hannover - Capitol
08.05.09 - Halle/Westfalen - Convention Center
09.05.09 - Hamburg - Große Freiheit